Technik zum Vorteil für die Menschen beherrschen

11. ÖSTERREICHISCHER GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS sieht große Chancen durch die Digitalisierung für die Patienten

„Die Digitalisierung bringt große Chancen für die Patienten, wenn wir Menschen die Technik in den Griff bekommen und nicht die Technik uns Menschen beherrscht“, betonte der Präsident des 11. ÖSTERREICHISCHEN GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSES, Professor Heinz Lohmann, in seiner Begrüßungsrede heute (13. März) in Wien. Es ginge bei der Digitalisierung nicht vordergründig um die Technik, sondern um einen grundlegenden gesellschaftlichen Kulturwandel. Bedeutend seien alternative Geschäftsmodelle, die die Zusammenarbeit auf eine neue Basis stellten. Auch bisher nicht in der Gesundheitsbranche tätige Akteure träten mehr und mehr auf den Plan. Diese neuen Player brächten eine starke Fokussierung auf den Konsumenten, also den Patienten, mit und stellten damit die bisherige Expertendominanz nachhaltig in Frage. Auf diese gewaltigen Herausforderungen müssten sich insbesondere tradierte Gesundheitsanbieter unverzüglich einstellen, wenn sie nicht das Nachsehen haben wollten. Prof. Lohmann dazu wörtlich: „Die Beschäftigten in der Gesundheitswirtschaft müssen sich bei den Veränderungen durch die Digitalisierung einbringen können, um mittendrin zu sein, wenn Neues entsteht, damit sie für sich mehr Sicherheit erlangen.“

„Gesundheit 2025: Gibt es uns dann noch?“ war der Titel des Impulsvortrages von Prof. Dr. David Matusievicz von der Hochschule für Oekonomie & Management in Essen. Der Referent machte deutlich, wie umfassend der digitale Wandel die ambulante und stationäre Medizin derzeit erfasst. In der anschließenden Auftaktpodiumsdiskussion ging es unter Beteiligung der Landesräte Mag. Christopher Drexler aus der Steiermark und Prof. Dr. Bernhard Tilg aus Tirol sowie dem Amtsführenden Stadtrat Peter Hacker aus Wien und wichtigen Vertretern der Gesundheitsbranche aus Österreich und Deutschland um die Frage „Zentral oder Dezentral – Regulierung oder Deregulierung: Wohin treibt das Gesundheitssystem?“ In 14 Einzelveranstaltungen diskutierten im weiteren Verlauf des Kongresses mehr als 85 Referenten und Moderatoren alle aktuellen Herausforderungen der Gesundheitsbranche.

Der 11. ÖSTERREICHISCHE GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS ist mit der Rekordbeteiligung von mehr als 500 Teilnehmern zu Ende gegangen. „Unsere Planung der Agenda mit einer Mischung aus Debatten zu visionären Themen und Berichten zu konkreten Projekten ist durch den großen Erfolg bestätigt worden“, fasste die Kongressleiterin Ines Kehrein von der agentur gesundheitswirtschaft ihr Fazit der Veranstaltung zusammen.

Hier der Text der Eröffnungsrede in vollem Wortlaut:

Grußwort des Präsidenten des 11. ÖSTERREICHISCHEN GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSES in Wien,

Professor Heinz Lohmann zur Eröffnung am 13. März 2019

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

derzeit verändert sich unser Leben grundlegend. Ein ganz zentraler Treiber dafür ist die Digitalisierung. Wir stehen derzeit, davon bin ich überzeugt, erst ganz am Anfang eines radikalen Wandels. Aber eines wird schon klar, wir werden alle davon erfasst. Und da der gesellschaftliche Umbruch auch disruptiv ist, also mit der Vergangenheit bricht, lässt sich die Zukunft nicht so einfach voraussagen. Sie sehen mich hier zwar noch ganz real vor sich stehen, aber auch das wird schon in Kürze nicht mehr so selbstverständlich sein, wie wir gleich hier noch sehen werden.

Im Kern geht es darum, ob wir Menschen die Technik in den Griff bekommen und damit in unseren Gestaltungsprozess einbeziehen können oder ob die Technik uns Menschen beherrscht. Jetzt – in der immer intensiver voranschreitenden Digitalisierung – wird das Thema deutlich relevanter, ja, es wird dramatisch und für viele Menschen so bedrohlich, wie es die Folgen des technischen Umbruchs am Ende des 18. und im ganzen 19. Jahrhundert während der Industrialisierung auch waren.

Grundlegender Wandel ist für Menschen immer ein Einschnitt, der verunsichert. Wir Menschen sind auf Beständigkeit angelegt. Wir richten uns in den jeweiligen Gegebenheiten ein und finden unsere gesellschaftliche Position in Relation zur Positionierung anderer Menschen. Unser daraus gewonnener Status gewährt uns eine relative Sicherheit. Wenn dieses Gefüge in „Unordnung“ gerät, was derzeit passiert, entsteht aus Verunsicherung schnell tiefe Sorge vor Statusverlust. Und diese Sorge ist eine schlechte Basis für aktive Teilnahme am Veränderungsprozess. Im Gegenteil führt sie dazu, die aktive Mitwirkung zu versagen. Wenn ich erst einmal Sorge habe, zu den Verlierern des gesellschaftlichen Wandels zu gehören, nützen mir allgemeine politische Versicherungen, etwa, die Digitalisierung habe vielfältige Vorteile für Menschen, gar nichts mehr. Ich muss mich vielmehr in den Entwicklungsprozessen einbringen können, ja, mittendrin sein, wenn Neues entsteht, um mehr Sicherheit auch für mich ganz persönlich zu erlangen.

In so bewegten Zeiten wie diesen ist ganz besonders wichtig, dass die Verantwortlichen, Klarheit für sich gewinnen. Das gilt inzwischen mehr und mehr auch in der Gesundheitswirtschaft. Deshalb ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt für die Manager und Unternehmer der Gesundheitswirtschaft, zu einem intensiven Gedankenaustausch zusammenzukommen. Die Rekordbeteiligung an diesem Gipfeltreffen der Branche mit 500 Teilnehmern zeigt, dass sie, meine Damen und Herren, das genauso sehen.

Ich möchte sie deshalb sehr herzlich zum 11. ÖSTERREICHISCHEN GESUNDHEITSWIRTSCHAFTGSKONGRESS heute in Wien begrüßen. Ich freue mich über den Stellenwert dieser Veranstaltung persönlich sehr. Haben wir doch von Anfang an großen Wert darauf gelegt, auch sehr kontroverse Positionen zu Wort kommen zu lassen. Es ging immer darum, eine Plattform zu gestalten, die einen pluralistischen Diskurs nicht nur möglich macht, sondern ihn geradezu erzwingt. Erst der Austausch vielfältiger Argumente macht es möglich, gesellschaftliche Herausforderungen umfassend zu beleuchten und zu tragfähigen Lösungen zu gelangen. Deshalb ist es ein gutes und ermutigendes Zeichen, dass eine Vielzahl von herausragenden Referenten und Diskutanten aus Politik, Verbänden und insbesondere aus der Gesundheitsbranche selbst aktiv mitwirken. Stellvertretend für alle anderen möchte ich an dieser Stelle den Landesrat Mag. Christopher Drexler aus der Steiermark, den Amtsführenden Stadtrat Peter Hacker aus Wien und den Landesrat Prof. Dr. Bernhard Tilg aus Tirol begrüßen. Sie werden ihre Gedanken und Ideen für die Zukunft des Gesundheitssystems in die große Podiumsdiskussion gleich nach der Kongresseröffnung einbringen. Seien sie, meine Herren, und damit auch alle anderen Mitwirkenden, herzlich willkommen.

Meine Damen und Herren, gerade mit Blick auf die Digitalisierung und ihre Folgen möchte ich eines ganz deutlich festhalten: Es geht nicht vordergründig um Technik, sondern um einen grundlegenden gesellschaftlichen Wandel. Insbesondere in der Gesundheitswirtschaft wird der Rahmen der Debatte häufig viel zu eng gezogen. Es geht um alternative Geschäftsmodelle, die die Zusammenarbeit der Beteiligten auf eine neue Basis stellen. Auch bisher nicht in der Gesundheitsbranche tätige Akteure treten mehr und mehr auf den Plan. Diese neuen Player bringen eine starke Fokussierung auf den Konsumenten – also den Patienten – mit und stellen damit die bisherige Expertendominanz nachhaltig in Frage. Auf diese gewaltigen Herausforderungen müssen sich insbesondere die tradierten Gesundheitsanbieter unverzüglich einstellen, wenn sie nicht das Nachsehen haben wollen. Der Wandel erfordert die volle Aufmerksamkeit der Verantwortlichen auch gerade in den Spitälern! Digitalisierung ist nicht einfach nur IT-isierung. Diese Devise zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Programm unseres Kongresses am heutigen Tage.

Spannende Foren, exzellente Referenten und intensive Gespräche erwarten Sie auf dem diesjährigen ÖSTERREICHISCHEN GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS. Die vielen Kooperationspartner machen deutlich, dass die neuen Ideen große Chancen haben, nach dem Kongress auch in der Realität anzukommen und Wirksamkeit zu erlangen. Diese Kooperationspartner und unsere Sponsoren und Aussteller sind für das Gelingen der Veranstaltung unerlässlich. Deshalb gilt ihnen mein besonderer Dank.

Ich wünsche uns allen einen erkenntnisreichen und lange nachwirkenden Tag mit vielen inspirierenden Begegnungen.

Der 11. ÖSTERREICHISCHE GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS ist eröffnet.

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