Steckt der Teufel im Detail und mutmaßlich auch im Gesundheitssystem?

Heinz Lohmann beim 5. Österreichischen Gesundheitswirtschaftskongress in Wien

Die Diskussion um die Bedeutung der Ökonomie in Krankenhäuser wird wieder lauter und so wird das Thema ein Schwerpunkt sein beim 9. Gesundheitswirtschaftskongress vom 24. bis 25. September 2013 in Hamburg. Auch die Tagespresse und Blogger melden sich in der Frage zu Wort. Ein Einschätzung.

Konfrontation oder Kooperation: Ärzte versus Ökonomie

Zu dieser Frage wurde eigens auf der Seite http://www.gesundheitswirtschaftskongress.de ein Online-Voting eingerichtet. Das Ergebnis bestimmt auch den Verlauf der Podiumsdiskussion „Konfrontation oder Kooperation: Ärzte vs. Ökonomie“ beim 9. Gesundheitswirtschaftskongress.

Beobachtungen fernab des Mainstreams

Der dem Berliner Politikbetrieb nahestehende Blogger Nikolaus Huss greift am 14. August 2013 in einem Blogpost einen Artikel in der Süddeutschen Zeitung auf und hinterfragt in einem einleitenden Gedanken die Botschaft des Artikels.

Vielleicht, vielleicht auch nicht manifestierten sich die eigentlichen Probleme des Gesundheitssystems im Fluch der Ökonomisierung der Medizin.

Der in der Printausgabe der Süddeutschen Zeitung erschienene Artikel liegt online noch nicht frei zugänglich vor. Nikolaus Huss hat ihn aber in seinem Blogpost verarbeitet und fragt sich, wie dieser mutmaßliche Missstand, dass Menschen mit Krankheit für das wirtschaftliche Wohlergehen einer Klinik vereinnahmt werden, verhindert werden könne.

Prof. Heinz Lohmann zum Artikel „Vorsicht, Klinik“

Der Artikel in der Süddeutschen zeichnet ein Bild, das man schnell als mit einer einzelnen, philosophischen Meinung gespickten Summierung von Einzelfällen abtun könnte. Der Kenner der Krankenhauslandschaft in Deutschland Prof. Heinz Lohmann aus Hamburg, der selbst jahrelang an der Spitze des größten Hamburger Gesundheitsunternehmens LBK stand, bestätigt aber:

„Die Zustandsbeschreibungen im Artikel der Süddeutschen Zeitung beziehen sich leider nicht nur auf die geschilderten Fälle, sondern finden sich in Krankenhäusern viel häufiger. Die im zweiten Teil vermittelten Analysen von „Experten“ sind allerdings, wie leider auch häufig, eine Flucht aus der Verantwortung. Hier werden das System, die Politik und die Ökonomen schuldig gesprochen. Die Ärzte und die anderen Beteiligten in Kliniken werden freigesprochen. Das ist ein sehr durchsichtiges Manöver. Wer sich dabei auch noch auf Ethik beruft, handelt unmoralisch.“

Gerade heute berichtet die Passauer Neue Presse über einen Vorstoß der Linken im Wahlkampf, die Zahl der Operationen sei zwischen 2005 und 2011 um mehr als ein Viertel angestiegen. Man verweist auf Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums. Klar. Es ist Wahlkampf und mit der Kombination aus abstrakten Zahlen zum Gesamtverhalten des Gesundheitssystems und den damit in die Breite verlängerten Einzelschicksalen lassen sich gesundheitspolitische Debatten zum einzelnen Wähler hin verlängern. Die Linke führt die Entwicklung unter anderem auf die Einführung des DRG zurück. Sie sieht darin sinnlose Anreize für Operationen.

Auch der oben erwähnte Artikel in der Süddeutschen Zeitung greift das Thema auf. Dazu Heinz Lohmann wörtlich: „Wer schon länger in der Gesundheitswirtschaft tätig ist, weiß, dass es Medizin ohne Geld nie gegeben hat. Auch in der Vor-DRG-Zeit hat es heftige Kritik auch aus Ärztekreisen, an den Zuständen in den Kliniken gegeben. In den Medien ist von den „Göttern in Weiß“ gesprochen worden. Die Kommunikationslosigkeit vieler Beteiligter ist immer wieder, zu Recht, angeprangert worden. Die Vergangenheit sozial-romantisch zu verklären, hilft nicht weiter.“

Im Kern ist es zu begrüßen, wenn die Debatte um die Kollaboration zwischen Ökonomen und Medizinern im Sinne der Patienten zunimmt. Denn oft arbeiten sich Wortmeldungen zu dieser Thematik am ausgemachten Eindringling Ökonomie ab, die den medizinischen Betrieb durch den Einfluss ökonomischer Prinzipien zu einem Drehkreuz unethischen Verhaltens abstempeln. Zukünftig wird es um ein ganz andere Disziplin gehen. Noch einmal Prof. Heinz Lohmann aus Hamburg.

Unwirtschaftlichkeit war, ist und bleibt unethisch.

„Viel hilft nicht viel.“ Natürlich müssen Mediziner Medizin und Ökonomen Ökonomie machen. Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen. Aber sie müssen es in dem Verständnis zusammen tun, dass nur so „Hervorragende Medizin zu bezahlbaren Preisen“ dabei heraus kommen kann. Das ist nämlich das gesellschaftliche Ziel, um das es letztendlich geht. Arroganz gegenüber den gesellschaftlichen Herausforderungen ist kein geeigneter Nährboden für humanitäres Handeln. Ganz im Gegenteil!

In sofern haben wir mit diesem Beitrag hoffentlich einen Beitrag geleistet, die Fehleinschätzungen, ökonomisches Denken habe in der Medizin nichts verloren, auszuräumen. Der Teufel steckt natürlich im Detail, aber sicher nicht im Gesundheitssystem.

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