„Patienten treiben den Wandel“

Professor Heinz Lohmann fordert unternehmerische Manager

Beim 15. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS am 17. und 18. September in Hamburg stehen alle wichtigen aktuellen Themen der Branche auf der Agenda. Ganz wesentlich ist dabei die veränderte Rolle der Patienten.

Der Patient wird jetzt auch Konsument und damit Treiber auf dem Gesundheitsmarkt. Bisher galt „einweisen, zuweisen, überweisen“. Diese Begriffe sprechen eine verräterische Sprache. Da war keine aktive Rolle für den Patienten vorgesehen. Das wird sich in Zukunft ändern. Wie Patienten ihre Behandlung erleben, wird deshalb in Zukunft für die Bewertung der Leistung entscheidend sein. Bereits heute können Patienten leichter an Informationen gelangen. „Dr. Google“ und das Internet machen´s möglich. Vor wenigen Jahren war das noch völlig undenkbar. Zudem haben wir bisher in der überwiegenden Zahl, nämlich der 70jährigen und älteren, Kriegs- und unmittelbare Nachkriegsgeneration behandelt, die mit Entbehrungen und Mangel aufgewachsen ist. Ihre Erwartungshaltung ist maßgeblich durch diese Erfahrung geprägt. Die künftig mehrheitlich auf die Gesundheitsanbieter zukommenden Menschen sind in den Zeiten des Wirtschaftswunders sozialisiert und seit der Jugend an eine aktive Konsumentenrolle gewöhnt. Sie werden die Akteure in unserer Branche ganz anders herausfordern.

Krankenhäuser sind traditionell Expertenorganisationen. Grund dafür ist, dass der Gesundheitsmarkt bisher von der Anbieterseite dominiert wurde. Die Nachfrageseite hat praktisch keine Rolle gespielt. Solche Märkte sind Institutionen zentriert. Medizin ist bisher an den vorhandenen Ressourcen ausgerichtet. Was da ist, wird eingesetzt. Das gilt für die Mitarbeiter, ihr Wissen und ihre Erfahrung sowie für die vorhandene Technik und die vorgefundenen Medizingeräte und Laborleistungen, aber auch für die Organisation. Deswegen ist die Behandlung überall unterschiedlich und sogar am Samstag anders als am Montag oder Mittwoch. Das ist deshalb nicht länger akzeptabel, weil Patienten mehr und mehr ein stabiles Leistungsversprechen erwarten. Deshalb muss die Medizin jetzt „vom Kopf auf die Füße gestellt“ werden, um sie auf die Bedürfnisse der Patienten auszurichten.

Das Patientenerlebnis muss ab sofort mehr sein als eine unverbindliche Floskel. Alle Beteiligten – Ärzte und Krankenpflegekräfte, aber auch Manager und Techniker – sind zur Aktion aufgerufen. Es gilt, die Behandlungsprozesse im Detail zu strukturieren und damit einem digitalen Workflow zugänglich zu machen. Die Gesundheitswirtschaft ist bereits, wenn auch noch nicht von allen erkannt, in einem gewaltigen Transformationsprozess. Neue Player aus der digitalen Wirtschaft und damit aus ganz anderen Branchen sind auf dem Vormarsch. Sie kennen sich mit den Erwartungen von Konsumenten exzellent aus und sind in ihrem Denken den traditionellen Akteuren der Gesundheitswirtschaft weit überlegen. Die müssen sich jetzt sputen, sonst werden sie in den kommenden Jahren links und rechts überholt.

Mit digitalen Workflows können einerseits die rarer werdenden Expertinnen und Experten von Routinetätigkeiten aller Art entlastet und andererseits die Arbeitsabläufe stabilisiert werden. Darüber hinaus kann durch die Digitalisierung deutlich wissensbasierter gearbeitet werden. Für die Patienten bringt das erhebliche Vorteile. Strukturierte Prozesse, die die Qualität der Medizin und des Services erhöhen und damit das Patientenerlebnis verbessern, wirken sich auch positiv auf die Produktivität aus. Das bisherige „Improvisationstheater“ bei den Abläufen der Gesundheitsanbieter ist ineffizient. Gezielte Investitionen zur Optimierung des Patientenerlebnisses rechnen sich. Auf jeden Fall sind unternehmerische Manager gefordert, um die Krankenhäuser auf den Paradigmenwechsel vorzubereiten. Patientenorientierung ist künftig ein absolutes Muss. Zuwarten ist angesichts der Herausforderungen keine Option mehr.

Aktuelle Informationen und direkte Anmeldung zurzeit noch mit Frühbucherrabatt zum 15. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS am 17. und 18. September immer unter: www.gesundheitswirtschaftskongress.de.

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