Krankenhäuser nach Covid-19: Die Krise zur Modernisierung nutzen

Knapp die Hälfte der deutschen Krankenhäuser hat im Jahr vor der Corona-Pandemie Verluste eingefahren. Parwäz Rafiqpoor, Mitglied des BDO Vorstandes: „Die Zahl der insolvenzgefährdeten Kliniken hat sich in kurzer Zeit fast verdoppelt, die öffentliche Versorgung ist in manchen Regionen in Gefahr“. Wenn der Schutzschirm für Krankenhäuser nach 2021 wegfällt, darf nicht der Fehler begangen werden, wieder in alte Strukturen zurückzufallen. Vielmehr sollte die Krise genutzt werden, um sich zu modernisieren und folgende Themen zu beachten:

  1. Regulierung und gesellschaftliche Trends
  2. Digitalisierung
  3. Kosten, Qualitätsdruck und M&A

Parwäz Rafiqpoor

Regulierung und gesellschaftliche Trends

Unter Bundesgesundheitsminister Jens Spahn wurden so viele Gesetze wie noch nie auf den Weg gebracht, wodurch einige Einrichtungen überfordert sind. Im digitalen Bereich stehen digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA), elektronische Patientenakten (ePA) und elektronische Rezepte (E-Rezept) vor dem Markteintritt und das Fernbehandlungsverbot wurde aufgehoben. Die Qualität der medizinischen Leistung rückt zunehmend in den Fokus und auch wenn die Pflegepersonaluntergrenzen-Verordnung derzeit aufgrund des Covid-19 Virus ausgesetzt wurde, tritt diese nach der Pandemie (voraussichtlich ab dem 01. Januar 2021) wieder vollumfänglich in Kraft, was nicht in Vergessenheit geraten darf. Die Globalisierung lockt ausländische Investoren in den Gesundheitsmarkt, Personal und Patienten haben nicht selten einen Migrationshintergrund und weltweite Pandemien sind aufgrund der Globalisierung, auch nach Covid-19, ein ständiger Risikofaktor. Durch die niedrigen Geburtenraten der deutschen Bevölkerung setzt sich der demographische Wandel fort und führt zu einer alternden Bevölkerung, mit einer Zunahme von multimorbiden Patienten.

Digitalisierung

Die Digitalisierung wird durch den technischen Fortschritt, den Gesetzgeber und zuletzt auch durch den Beschleuniger Covid-19 angetrieben. Beim Investitionsstau der Krankenhäuser standen in den vergangenen Jahren vor allem die Krankenhausimmobilien im Vordergrund, allerdings ist mittlerweile bekannt, dass bei der IT- Infrastruktur ein noch viel größerer Handlungsbedarf besteht. So nehmen  Kliniken aus Kostengründen dramatische Lücken in der Datensicherheit in Kauf. Eine Befragung des DKI in Zusammenarbeit mit BDO ergab, dass ein Krankenhaus durchschnittlich nur etwa acht IT Mitarbeiter beschäftigt. Damit kann kaum das operative Tagesgeschäft abgedeckt werden, geschweige denn eine vollumfängliche IT Strategie entwickelt werden. Zudem muss eine Auseinandersetzung mit den neuen Themenfeldern Telemedizin, künstliche Intelligenz, Robotik und Big Data erfolgen, um auch zukünftig am Markt bestehen zu können. Der externe Beratungsbedarf im Hinblick auf die Digitalisierung ist somit immens. Prof. Volker Nürnberg, Partner bei BDO: „KI gestützte Therapien, d.h. eine präzise, präventive und personalisierte Medizin, sind die Zukunft“.

Kosten-, Qualitätsdruck und M&A

Schon seit Jahren stehen stationäre Einrichtungen unter dem Kosten- und Qualitätsdruck. Durch die Corona-Krise spitzt sich die Lage weiter zu, da die öffentliche Hand und das Sozialsystem finanzielle Einbrüche im Haushalt erleiden werden. Dies könnte eine zweite Privatisierungswelle anstoßen. Im letzten Jahrzehnt haben insbesondere trägereinheitliche Verkäufe und Fusionen stark zugenommen (die letzte große Übernahme von Rhön durch Asklepios wurde von BDO begleitet). Der Changeprozess einer Fusion oder Übernahme stellt eine gewaltige Aufgabe dar, die neben dem operativen Geschäft bewerkstelligt werden muss. Um den Changeprozess effizient zu begleiten, werden häufig externe Berater hinzugezogen. Denn etwa die Hälfte der Fusionen scheitern, da wirtschaftliche, strategische oder prozessorientierte Ziele nicht erreicht werden. Parwäz Rafiqpoor, der bereits viele Krankenhausverkäufe begleitet hat: „Es gibt eine Vielzahl an juristischen, ökonomischen und kulturellen Fehlerquellen bei einem Zusammenschluss zweier Häuser, diese könnten bei einer seriösen Vorbereitung und einem guten Projektmanagement vermieden werden.“

Ansprechpartner:

Parwäz Rafiqpoor, Mitglied des BDO Vorstandes

Prof. Volker Nürnberg, Partner BDO, Advisory Services Gesundheitswirtschaft, volker.nuernberg@bdo.de

www.bdo.de

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