Krankenhäuser: Deutlicher Umsatzrückgang durch Corona

Pläne und Strategien zur Wiederherstellung der OP-Kapazitäten

Die ohnehin angespannte wirtschaftliche Lage der deutschen Krankenhäuser hat sich laut einer Erhebung des Krankenhaus-Barometers des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI) weiter zugespitzt. Bereits 2019 hatte fast jede zweite Klinik (44 Prozent) rote Zahlen geschrieben. Die Pandemie habe die Lage weiter verschärft: Weniger als ein Drittel der Häuser erwartet laut DKI für 2020 ein positives Jahresergebnis – nur noch 18 Prozent der Kliniken beurteilen ihre aktuelle wirtschaftliche Lage als gut. „Viele Krankenhäuser stehen vor einem deutlichen Umsatzrückgang durch Corona“, beobachtet Parwäz Rafiqpoor, Mitglied des Vorstands der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. „Die Pandemie hat dabei nicht nur Auswirkungen auf die Allgemein- und Intensivstationen, auch in den OP-Bereichen führt sie zu merklichen Beeinträchtigungen.“ Grund seien nach wie vor die Zurückhaltung der Patienten bei planbaren Operationen, erforderliche Schutzmaßnahmen und gestiegene Hygieneanforderungen sowie Freihaltekapazitäten für Coronapatienten in den Intensivbereichen. Die Lage betreffe dabei nicht nur Krankenhäuser, sondern auch Hersteller von Medizinprodukten und Medizintechnik, da weniger Implantate, OP-Produkte, OP-Sets benötigt würden. So würden nicht nur Operationen und Eingriffe verschoben: Patienten hätten Angst im Notfall in ein Krankenhaus zu gehen, obwohl es medizinisch notwendig wäre. „Dies kann künftig ein Risiko werden. Patienten müssen ‚zurückgeholt‘ und ihnen vermittelt werden, dass eine Behandlung – ob im Krankenhaus oder beim niedergelassenen Arzt – sicher durchgeführt werden kann“, rät Rafiqpoor. Der Experte sieht insbesondere den hohen Nachholbedarf als künftige Herausforderung für die Versorgung und wünscht sich Pläne und Strategien zur Wiederherstellung der OP-Kapazitäten und zur Bereitstellung von Ressourcen, um den Rückstau schnell aufzuarbeiten. Zur Stärkung der Patientensicherheit müssten zudem OP-Säle zur Reduzierung von infektiösen Aerosolbildungen umgerüstet werden.

Parwäz Rafiqpoor, Mitglied des Vorstands der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
Parwäz Rafiqpoor, Mitglied des Vorstands der BDO AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft

Hinzu kommt nach Beobachtungen von Rafiqpoor ein wachsender Fachkräftemangel. Mitarbeiter würden durch das Infektionsrisiko in Gesundheitseinrichtungen zunehmend ausfallen: Jeder fünfte Gesundheitsbetrieb beklage den Ausfall von Mitarbeitern – ein höherer Anteil als in der Gesamtwirtschaft. Trotz aller Bemühungen nehme darüber hinaus auch die Attraktivität des Pflegeberufs ab.

Parwäz Rafiqpoor: „Wir sehen in der Pandemielage aber auch Chancen – so etwa für einen Innovations- und Digitalisierungsschub: Telemedizin, Datenaustausch, ePA und IT-Sicherheit sind nur einige Stichworte. Allgemein erwarten wir eine steigende Akzeptanz von digitalen Gesundheitsangeboten. So kann Versorgung optimiert, die Sicherheit erhöht und nicht zuletzt Transparenz für Patienten geschaffen werden. Als Voraussetzung und zugleich Herausforderung gilt für mich dabei die Vernetzung der Sektoren und Akteure. Insellösungen brauchen wir nicht.“ Letztlich müsse aber nach Auffassung von Rafiqpoor eine Teil-Lockerung des Datenschutz zu Gunsten von Effizienz im Zusammenhang mit medizinischen Leistungen überdacht werden, um Dinge möglich zu machen, die andernorts bereits erfolgreich praktiziert würden. Denn: „Der Datenschutz stellt schon eine sehr hohe Hürde dar, um digitale Leistungen fortzuentwickeln.“