Finanzinvestoren im Gesundheitswesen: „Gewinne sind absolut notwendig“

Welche Rolle spielen die Patienten dabei?

Die Rolle der Patienten auf dem Gesundheitsmarkt verändert sich in letzter Zeit deutlich. Sie werden auch zu Konsumenten. Dazu trägt die zunehmende Transparenz, unter anderem aufgrund der immer weiter realisierten Digitalisierung in der allgemeinen Kommunikation, wesentlich bei. „Dr. Google“ und das Internet machen´s möglich. Vor wenigen Jahren war das noch völlig undenkbar. Zudem haben wir in der Gesundheitswirtschaft bisher in der überwiegenden Zahl Menschen um die 70 und älter aus der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegsgeneration behandelt, die mit Entbehrungen und Mangel aufgewachsen sind. Ihre Erwartungshaltung ist maßgeblich durch diese Erfahrung geprägt. Die künftig mehrheitlich auf die Gesundheitsanbieter zukommenden Patienten sind in den Zeiten des Wirtschaftswunders sozialisiert und im Zweifelsfall seit ihrer Jugend an eine aktive Konsumentenrolle gewöhnt. Sie werden die Akteure in unserer Branche ganz anders herausfordern. Die Entwicklung wird von der Politik stark gefördert. Das ist sehr zu begrüßen und wird in Zukunft noch deutlich an Bedeutung gewinnen.

Halten Sie das im Bundesgesundheitsausschuss diskutierte Transparenzregister für ein sinnvolles Instrument, um Patienteninteressen zu wahren?

Transparenz ist natürlich grundsätzlich gut. Niemand, der die Position der Patienten stärken will, könnte etwas dagegen haben. Allerdings darf ein Transparenzgesetz nicht als Diskriminierungsinstrument zur Abwehr von privatem Kapital in der Gesundheitswirtschaft herhalten, sondern muss dann alle Investoren umfassen. Geld von Ärzten ist nicht moralischer als Geld von Nichtärzten.

Was raten Sie niedergelassenen Ärzten, die mit dem Gedanken spielen, ihre Praxen an einen Träger zu verkaufen, und dafür ein verlockendes Angebot vorliegen haben?

Wenn solchen Ärzten daran liegt, die langfristige Behandlung ihrer Patienten zu sichern und jeweils modernen Anforderungen entsprechend zu gestalten, sollten sie sich die Konzepte und Arbeitsweisen von den Unternehmen, die ihre Praxis übernehmen wollen, genau anschauen. Das gilt generell, ganz unabhängig davon, wer das Kapital des künftigen Trägers hält. Im Übrigen haben viele Praxisinhaber, die die Nachfolge regeln wollen, nicht mit einem Ansturm der Bewerber zu kämpfen. Das gilt immer mehr gerade auch in ländlichen Regionen, wo an vielen Orten die Betreiber medizinischer Versorgungszentren für die ärztliche Betreuung inzwischen „systemrelevant“ sind.

Welche Rollen können die Kassenärztlichen Vereinigungen dabei spielen, das Patienteninteresse zu wahren?

KVen sollten auf jeden Fall eine gestaltende Rolle einnehmen und nicht auf der Bremse stehen. Sie sollten das Gespräch suchen und gemeinsam mit den Unternehmen Rahmenbedingungen formulieren und vereinbaren, die die Patienteninteressen stärken.

Das ganze Interview lesen Sie auch hier: https://www.kvhb.de/sites/default/files/lrs-juli-2020.pdf

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