Finanzinvestoren im Gesundheitswesen: „Gewinne sind absolut notwendig“

Interview mit Prof. Heinz Lohmann im „landesrundschreiben“ – Mitteilungsblatt der Kassenärztlichen Vereinigung Bremen

„Geld von Ärzten ist nicht moralischer als Geld von Nichtärzten“

In einem solidarisch finanzierten Gesundheitssystem ist unwirtschaftliche Betriebsführung geradezu unethisch, findet Prof. Heinz Lohmann, Mitbegründer der Initiative Gesundheitswirtschaft in Hamburg. Im Interview erklärt er, warum aus seiner Sicht auch in Bremen privates Kapital zwingend erforderlich ist.

Herr Prof. Lohmann, ist Privatkapital im Gesundheitswesen ein Trend, der immer stärker zunimmt?

Der Gesundheitsmarkt ist für privates Kapital auf jeden Fall attraktiv. Dieser Trend wird sich in der Zukunft noch verstärken, wenn durch das Fluten der Finanzmärkte, wie es die Notenbanken der Welt derzeit befördern, das Anlagekapital weiter dramatisch ansteigt. Gleichzeitig wird in Kürze deutlich werden, dass öffentliche Finanzierungen an Grenzen stoßen. Die Folgen der Corona-Krise beschleunigen diese Entwicklung, auch wenn die gigantischen Rettungsschirme derzeit noch eine andere Sprache sprechen. Die wirtschaftliche Gesamtentwicklung ist alles andere als unproblematisch. Traditionelle Gesundheitsanbieter werden sich in Kürze nach neuen Finanzierungsquellen umsehen müssen, um insbesondere bei der jetzt immer dynamischer werdenden Digitalisierung nicht gegenüber den erstmals auf den Gesundheitsmarkt drängenden neuen Anbietern aus der digitalen Welt, die für private Geldgeber weit offenstehen, den Kürzeren zu ziehen. Die Internetriesen haben bereits heute die Nase weit vorne, so bei der digitalen Kommunikation, der Robotik und der Künstlichen Intelligenz.

Wie stark ist auch Bremen davon betroffen?

Bisher waren kleinere Mittelstädte und Kleinstädte ein beliebtes Aktionsfeld von Betreibern medizinischer Versorgungszentren. Zunehmend gilt dies auch für Großstädte und größere Mittelstädte. Darin stecken für Akteure Chancen, weil so auch von Bremen aus Versorgungsnetze im haus- und fachärztlichen Bereich entstehen können. Daraus könnten wichtige Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung Bremens insgesamt ausgehen.

Sie vertreten die Ansicht, dass Privatkapital dem Gesundheitswesen grundsätzlich gut tut, dass dabei aber kurzfristiges Profitdenken nicht über Patienteninteressen gestellt werden darf. Wie bekommt man diesen Spagat hin?

Ich habe Investoren im Gesundheitsmarkt geraten, nicht durch kurzfristiges Profitdenken die Patienteninteressen zu missachten. Der nachhaltige Erfolg wäre damit nicht zu realisieren, weil Gesundheitswirtschaft Vertrauenswirtschaft ist. Nur, wer die Wünsche und Erwartungen von Patienten in Bezug auf ihre Betreuung und Behandlung erfüllt, kann auch wirtschaftlich am Gesundheitsmarkt bestehen.

Wirtschaftlichkeit und Gesundheitssektor – warum meinen Sie, dass das unbedingt zusammengehört?

Gewinne sind auch im Gesundheitssektor absolut notwendig, um Investitionen in die Zukunft tätigen zu können. Private-Equity-Unternehmen beispielsweise sind in aller Regel nicht daran interessiert, Überschüsse aus Gesundheitsbetrieben zu entnehmen, sondern den Wert des Invest zu erhalten und zu steigern. Es geht ihnen nicht darum, kurzfristig ein Quartalsergebnis zu optimieren. Das ist für Gesundheitsunternehmen ein positiv zu bewertendes Investorenverhalten. Pensionsfonds haben ähnliche Anlageziele.

1 comment » Write a comment

  1. Pingback: Nicht zurück zur alten Normalität - lohmannbloglohmannblog

Schreiben Sie einen Kommentar

Required fields are marked *.