Eröffnungsworte um 10. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS

9. Gesundheitswirtschaftskongress HamburgEröffnung des 10. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSES in Hamburg am 23. und 24. September 2014 durch den Kongresspräsidenten Prof. Heinz Lohmann:

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie in diesem Jahr nun schon zum 10. Mal in der Freien und  Hansestadt Hamburg zum GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS begrüßen zu  können. Dieses erste große Treffen der Manager und Unternehmer nach den Sommermonaten ist der zentrale Termin im Kalender aller wichtigen Akteure unserer Branche. Herr Senator a. D. Ulf Fink und ich sind als die Präsidenten dieses Kongresses hoch erfreut, dass Sie alle auch zum Jubiläumskongress unserer Einladung  gefolgt sind. Seien Sie herzlich willkommen.

Besonders begrüßen möchte ich Frau Senatorin Cornelia Prüfer-Storks, Präses der  Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz. So lange Frau Prüfer-Storks hier in Hamburg ist, hat sie den GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS immer besucht und mit ihren Beiträgen bereichert. In diesem Jahr wird sie nicht nur heute das Grußwort für den Senat überbringen, sondern morgen in unserer gesundheitspolitischen Podiumsdiskussion ihre Position einbringen. Wir sind darauf sehr gespannt, weil ihr Wort als aktuelle Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz auch in Berlin sehr gefragt ist. Bereits im zweiten Jahr haben wir einen Gesundheitsunternehmer gebeten, ein weiteres Grußwort zu sprechen. Heute ist es kein Jungunternehmer wie im letzten Jahr, sondern ein Mann mit viel Erfahrung in  unserer doch recht komplizierten Branche.

Ich begrüße Nikolai Burkart deshalb ganz besonders. Er ist bekannt für klare Worte, und die sind in der Gesundheitswirtschaft in
dieser Zeit sicherlich besonders wichtig. Begrüßen möchte ich auch die Teilnehmer der Auftaktpodiumsdiskussion, allen voran  den Präsidenten der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Frank Ulrich Montgomery, sowie  den Präsidenten der Deutschen Krankenhausgesellschaft, Alfred Dänzer. Gestritten werden wird über die Frage, ob mehr Wettbewerb ein erfolgreiches Rezept für die Herausforderungen der Zukunft sein kann.

Meine Damen und Herren, seit es diesen Kongress gibt, hat sich der Gesundheitsmarkt dramatisch verändert. Das gilt für den 2. Gesundheitsmarkt in besonderer Weise. Biokost ist heute nicht mehr nur etwas für „Wollsockenträger“, die in winzigen Läden schrumpelige Äpfel von wackligen Holzregalen erwerben.

Fünf Prozent der Lebensmittelkäufer greifen heute bereits zu Biokost. Und der Anteil wächst ständig. Studien besagen, dass das Potenzial bei 20 Prozent erwartet wird. Gesundheitstourismus ist auf dem Reisemarkt das am stärksten wachsende Segment.

Auch individuelle Gesundheitsleistungen werden, trotz des stacheligen Kürzels „IGeL“, immer stärker nachgefragt. Gleiches gilt für Zusatzkrankenversicherungen. Die durch mehr Transparenz gewährte Erkenntnis, dass es durchaus Qualitätsunterschiede bei
Gesundheitsleistungen gibt, ist ein starker Treiber dieser Entwicklung. In letzter Zeit boomt zudem die Internetmedizin. Das ist ein neuer Trend und noch ganz am Anfang. Wer in den letzten Wochen verfolgt hat, wie sich Apple und Google, die Giganten der Internetbranche, hier engagieren, ahnt sicherlich, welche Entwicklungsmöglichkeiten sich in den vor uns liegenden Jahren auf diesem Feld bieten.

Der GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS verfolgt die sich anbahnenden Veränderungen seit einiger Zeit. Waren es zunächst „Feinschmecker“-Veranstaltungen mit mehr Teilnehmern auf dem Podium als im Parkett, werden jetzt mehr und mehr auch die Chancen solcher Projekte für traditionelle Player der Gesundheitswirtschaft erkannt. Im diesjährigen Kongressprogramm finden sich wieder Veranstaltungen, in denen Start-up-Unternehmer ihre neuesten Ideen präsentieren. Auch die Politik greift die Qualitätsdebatte zunehmend auf. Das ist gut so.

Allerdings ist auch Vorsicht geboten. Qualität ist nur, was beim Patienten ankommt. Deshalb betrachte ich die geplante Pflegepersonalregelung äußerst skeptisch. Da offenkundig beabsichtigt ist, innerhalb des DRG-Abrechnungssystems den Krankenhäusern die Zahl der zu beschäftigenden Krankenpflegekräfte auf den Stationen vorzuschreiben, werden die Kliniken aufgrund des auch in Zukunft anhaltenden Kostendrucks gezwungen sein, an anderer Stelle, etwa bei den Ärzten, einzusparen. Letztlich kann sich die zunächst positiv klingende Maßnahme für die Patienten sogar negativ auswirken.

Bei stark steigendem Bedarf an Gesundheitsleistungen und sehr begrenzten finanziellen Mitteln im Sozialtransfer wird es künftig nicht mehr Geld für die einzelne Leistung geben. Es kommt also auf den sinnvollen Einsatz knapper Ressourcen an. Deshalb muss jetzt in moderne Prozessunterstützung investiert werden. Wer das durch dirigistische Interventionen in das betriebliche Geschehen mittels einer „Pflegequote“ behindert, schadet auch den Interessen der Pflegekräfte. Sie werden am Ende durch diese politische Aktion von den anstehenden Modernisierungsmaßnahmen „abgehängt“.

Zwangsweise beschäftigtes Personal muss natürlich von Krankenhäusern dann „irgendwie“ eingesetzt werden. Pflegekräfte wollen aber nicht mit Hilfstätigkeiten über das Gelände geschickt werden, sondern die Patienten kompetent pflegen. Zwingend notwendig ist vielmehr jetzt eine breit angelegte Initiative zur Entlastung der Pflegekräfte und Ärzte von therapiefernen Tätigkeiten durch ein umfassendes Programm zur radikalen Erneuerung der veralteten Strukturen und zur konsequenten Optimierung der Prozesse. Die Politik sollte die Krankenhäuser fördern, die in einen solchen Umbau investieren. Auf diesem GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS
wird über innovative Projekte und Konzepte berichtet, die die Themen „strukturierte Behandlungsprozesse“ und „Systempartnerschaften“ zwischen Industrie und Serviceunternehmen einerseits und Gesundheitsanbietern andererseits aufgreifen. Was die Qualität angeht, sollten wir zusammen – Gesundheitswirtschaft und Politik – die Patienten ernster nehmen. Sie wollen mehr Möglichkeiten haben mitzubestimmen.

Sie sind zunehmend bereit, sich umfassend zu informieren, und tun das auch schon, unabhängig von unseren Fachdiskussionen. Ich plädiere hier nachdrücklich dafür, die Patienten in ihrem Bemühen nach Kräften zu unterstützen. Die Zeit für eine „Stiftung Gesundheitstest“ ist mehr als reif. Eine Qualitätsoffensive ohne Patienten verfehlt ihr Ziel.

Wer mich kennt, wird nachvollziehen können, dass ich mich persönlich auf einen Programmpunkt in den nächsten zwei Tagen besonders freue. Es ist eine kleine Veranstaltung am Talkpoint auf dem Marktplatz Gesundheitswirtschaft morgen Mittag. Ich werde dort das Vergnügen haben, mit dem Künstler Jörg Länger einen Dialog zum Thema „Naturheilverfahren – ja, natürlich! Aber Kulturheilverfahren: Gibt es das?“
führen zu dürfen.

Kommen Sie doch einfach da mal vorbei, und lassen Sie sich überraschen. Oder noch besser: Besuchen Sie vorab die kleine Ausstellung in der
kongressGALERIE mit Arbeiten des Künstlers zur Einstimmung.

Meine Damen und Herren, zwei Tage spannender Diskussionen liegen vor uns. Das Angebot ist vielfältig. Sie werden es, davon bin ich überzeugt, nutzen. Danach kann ich Ihnen unser schönes Hamburg empfehlen. Da gilt es auch in diesem Jahr wieder, so
einiges Neues zu entdecken.

Der 10. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS ist eröffnet.

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