Eröffnung des 15. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSES

„Geben wir den Menschen die Chance, zu den Gewinnern des Wandels zu gehören!

15. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS in Hamburg eröffnet

Der Avatar Dx2 hat heute (17.09.) gemeinsam mit den Kongresspräsidenten Professor Heinz Lohmann und Senator a. D. Ulf Fink den 15. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS in Hamburg eröffnet. Die Grüße des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg überbrachte Gesundheits­senatorin Cornelia Prüfer-Storcks.

„Ganz zentral ist in Zeiten des Wandels die Angst der Menschen vor Statusverlust“, so Prof. Lohmann anlässlich der Kongresseröffnung vor mehr als 800 Teilnehmern aus ganz Deutschland. Die verantwortlichen Managerinnen und Manager seien gut beraten, wenn sie dem Einzelnen im großen Umbruch unserer Zeit eine persönliche Perspektive eröffneten. Das Gefühl, einen wertvollen Beitrag zum Gelingen des Ganzen zu leisten, dürfe niemandem abhandenkommen. Lohmann eindringlich: „Geben wir den Menschen die Chance, zu den Gewinnern des Wandels zu gehören.“Beim 15. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS werden noch bis Mittwoch mehr als 220 Referenten in über 40 Sessions alle relevanten Themen der Branche beraten. ­
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Hier der volle Wortlaut der Rede des Kongresspräsidenten Prof. Heinz Lohmann aus Anlass der Eröffnung des 15. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSES in Hamburg am 17. September 2019: ­
Rede des Kongresspräsidenten
Professor Heinz Lohmann aus Anlass der Eröffnung des 15. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESSES in Hamburg am 17. September 2019

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Meine sehr geehrten Damen und Herren,

wir leben in außerordentlich bewegten Zeiten. Vieles von dem, was heute möglich ist, haben wir vor einigen Jahren, einiges sogar vor einigen Monaten, noch für völlig ausgeschlossen oder doch wenigstens für äußerst unwahrscheinlich gehalten. Die Dynamik der Veränderungen verunsichert nicht wenige Menschen, ja, sie macht vielen sogar Angst. Das gilt für die Umbrüche in unserer Gesellschaft insgesamt, aber auch innerhalb der Unternehmen.Jetzt wird die Gesundheitswirtschaft mehr und mehr in diesen tiefgreifenden Wandel einbezogen. Die Politik, aber ebenso Vertreter von Berufsgruppen zeigen sich beunruhigt. Insbesondere die Probleme der Pflege sind inzwischen in aller Munde. Ich finde das auch gut so. Allerdings bereiten mir bestimmte stereotype Reaktionen auch Sorgen. Noch nie hat nämlich das Motto „viel hilft viel“ nachhaltige Lösungen bewirkt. So ist auch die aktuelle Sofortmaßnahme, die Pflege aus der geltenden Leistungsorientierung der Krankenhausfinanzierung herauszulösen und für sie die Selbstkostendeckung wieder anzuwenden, nicht sachgerecht. Ich bin alt genug, um aus persönlichem Erleben zu wissen, dass sich das heute so hoch gelobte Selbstkostendeckungsprinzip schon wenige Jahre nach der Einführung 1972 als fehlsteuernd erwiesen hat. Deshalb musste die Politik damals mit einer nicht abreißen wollenden Folge von Spargesetzen versuchen, den Fehlanreizen entgegenzusteuern. Daher geht auch der von einigen Ärzten und ihren Verbänden jüngst in einer Illustrierten so effektvoll vorgetragene Vorwurf, das leistungsbezogene Entgeltsystem sei nach ihrer Meinung für die fortschreitende Ökonomisierung verantwortlich, vollständig an der Realität vorbei. In den 1980er und 90er Jahren, weit vor Einführung des DRG-Systems, waren die ökonomischen Eingriffe nämlich viel ausgeprägter. Hier in Hamburg beispielsweise musste das Krankenhaus­unternehmen, für das ich damals verantwortlich war, in einem einzigen Jahr eine Budgetabsenkung von 8 Prozent verkraften. So etwas gibt es heute nicht mehr.

Ich plädiere dafür, das seit 2003 geltende DRG-System mit Hochdruck um weitere Bewertungselemente zu ergänzen. Insbesondere müssen künftig das Patientenwohl, die Pflege- und Servicequalität und das Innovationsvermögen, auch gerade für Investitionen, berücksichtigt werden. Das Fallpauschalensystem muss als patientenzentrierte Krankenhausfinanzierung mit klarem Qualitätsbezug unter Integration der Pflegeleistungen gestaltet und auf die ambulante Patienten­behandlung ausgeweitet werden. Damit sollen Fehlanreize aus den bisher getrennten Finanzierungssystemen für stationäre und ambulante Medizin überwunden werden.

Dieser Kongress ist seit vielen Jahren der Ort, an dem die verantwortlichen Akteure der Branche die künftigen Herausforderungen diskutieren und im Austausch der Argumente ihre gemeinsamen Positionen formulieren. Herr Senator a. D. Ulf Fink und ich sind deshalb auch in diesem Jahr hoch erfreut, dass Sie alle unserer Einladung gefolgt sind. Seien Sie in Hamburg beim 15. GESUNDHEITSWIRT­SCHAFTSKONGRESS herzlich willkommen!

Besonders begrüßen möchte ich Frau Senatorin Cornelia Prüfer-Storcks, Präses der Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz, die in diesem Jahr die Grüße des Senates der Freien und Hansestadt Hamburg überbringen wird. Wir freuen uns sehr, dass Sie, Frau Senatorin, hier gleich zu den Teilnehmern des Kongresses sprechen werden.

Meine Damen und Herren, heute ist der erste Welttag der Patientensicherheit. Bei unserem Kongress steht eine starke Position der Patienten seit der ersten Veranstaltung vor 15 Jahren ganz oben auf der Agenda, so auch in diesem Jahr. Patienten werden souveräner, ja, sie werden auch zu Konsumenten. Das verändert unsere Branche erheblich. Aber auch die Mitarbeiter werden immer mehr zum zentralen Thema in den Gesundheitsunternehmen. Sie haben andere Erwartungen an ihren Arbeitsplatz als noch vor wenigen Jahren. Deshalb wird ihnen heute, zu Recht, wie ich finde, eine deutlich höhere Aufmerksamkeit zuteil. Gleichwohl fühlen sich viele Beschäftigte gerade in der Gesundheits- und Sozialwirtschaft nicht ausreichend wertgeschätzt. Ihnen fehlt ganz offenkundig die zum erfüllten Leben notwendige Anerkennung. Nun wird immer wieder versucht, fehlende Anerkennung durch Geld zu kompensieren. Massiv erleben wir das derzeit auch in der Pflegediskussion. Wenn Mitarbeiter über mangelnde Wertschätzung klagen, genügt es nicht, ihnen einfach mehr Geld zu überweisen. Klar ist zu wenig auch falsch, aber Schmerzensgeld verliert schnell an Wirkung.

Ganz zentral ist in Zeiten des Wandels die Angst der Menschen vor Statusverlust. Wie stehe ich künftig da, vor meinen Nachbarn, vor meinen Kollegen? Sind meine Kenntnisse, meine Fähigkeiten, meine Erfahrungen morgen noch gefragt? Oder werde ich nach unten durchgereicht? All‘ diese Fragen sind berechtigt. Die verantwortlichen Managerinnen und Manager sind gut beraten, wenn sie dem Einzelnen im großen Umbruch unserer Zeit eine persönliche Perspektive eröffnen. Auch in Zukunft dazuzugehören, ist den Menschen wichtig. Das Gefühl, einen wertvollen Beitrag zum Gelingen des Ganzen zu leisten, darf niemandem abhandenkommen. Im Gegenteil, jeder muss am Veränderungsprozess aktiv mitwirken können und seinen wertgeschätzten Platz in Gesellschaft und Betrieb finden. Auch die in den letzten Jahrzehnten so kritisch diskutierten Statussymbole spielen dabei eine gewichtige Rolle. Beschäftigte dürfen nicht mitten im Kulturumbruch, etwa durch die alles erfassende Digitalisierung, massive Statusverluste befürchten oder sogar erleiden müssen. Weil diese Ansätze bisher zu wenig Beachtung gefunden haben, sprechen wir sie hier auf dem 15. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS ganz zentral an. Geben wir den Menschen die Chance, zu den Gewinnern des Wandels zu gehören!

Stiftungen haben in den letzten Jahren deutlich an Bedeutung gewonnen. Deshalb freue ich mich sehr, die Damp Stiftung bereits zum zweiten Mal begrüßen zu können. Eine Reihe weiterer Stiftungen werden mit ihren Ideen und Beiträgen die Debatten über die Zukunft unserer Branche bereichern. Viele Jahre ist die Christoph Lohfert Stiftung nun schon auf dem Kongress vertreten. Auch heute wird sie wieder den renommierten Lohfert-Preis überreichen. Der Deutsche CHANGE Award wird morgen vom BQS Institut für Qualität & Patientensicherheit an den diesjährigen Preisträger übergeben.

Ganz besonders freue ich mich persönlich auf eine Kunstaktion beim Kongressempfang für alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Von Anbeginn an haben wir unseren Referentinnen und Referenten als Dank für ihr Engagement jedes Jahr eine nummerierte und signierte Ausgabe der Kongressedition überreicht. So ist eine kleine Sammlung mit 15 Werken von innovativen Künstlerinnen und Künstlern entstanden. Diese werden wir drei zufällig ausgewählten Kongressbesuchern heute Abend überreichen.

Zwei Tage mit einem hoch interessanten Programm liegen vor uns. Das verdanken wir nicht zuletzt dem Engagement unserer Sponsoren und Partner. Ihnen möchte ich dafür ausdrücklich danken. Sie, meine Damen und Herren, werden die Chance zur Diskussion mit den Expertinnen und Experten und Ihren Kolleginnen und Kollegen nutzen. Davon bin ich zutiefst überzeugt. Danach empfehle ich Ihnen unser schönes Hamburg.

Der 15. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS ist eröffnet.

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  1. Pingback: Integration der Pflegefinanzierung in das Fallpauschalensystem - lohmannbloglohmannblog

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