Endlich! Krankenhaus als Grunderfahrung

krankenhausbett

Dem Kolumnist des ZEITmagazins Harald Martenstein muss es in der Brust geschmerzt haben. Nachdem das medizinisch geklärt war, schrieb er über seine Schmerzen mit dem Alltag in einer Chest Pain Unit eines nicht näher angegebenen Krankenhauses.

Ein Krankenhaus funktioniere wie eine Behörde, sagt Martenstein und er bietet dem Leser tiefgründige Einblicke, welche Gedankenfolgen in einem (vermeindlich) mündigen Patienten entstehen. Ohne Zweifel. Eine Kolumne ist keine verbindliche Erhebung der Patientenzufriedenheit mit statistischer Relevanz. Und nicht jeder Patient beschreibt so eloquent wie ein Kolumist seine Erlebnisse in einem Krankenhaus. Überhaupt eine Kolumne zu den Missständen im Krankenhaus außerhalb von Bewertungsportalen und Qualitätsberichten kommt nicht so häufig vor. Dass darüber allerdings überhaupt noch in dieser Form geschrieben wird, muss uns nachdenklich machen.

Harald Martenstein wird in diesem Jahr 60 und ist einer von über 18 Millionen stationären Patienten in 2013 in Deutschland. Seit seinem zweiten Lebensjahr war er nicht mehr im Krankenhaus. Das muss laut Wikipedia dann irgendwann 1955/56 gewesen sein. Neben der sicher etwas verblassten Erinnerung, drängen sich ihm heute nicht nur wegen seiner reflektierten Art Besonderheiten auf, die er so nicht erwartet hatte.

Ich habe, was den Stuhlgang betrifft, gelogen. Ich dachte, womöglich machen sie mir sonst einen Einlauf

Krankenhaus sei immer noch eine Grunderfahrung wie Schule, Beruf oder Kinderkriegen. Er bemängelt den prompten Verlust von Intimität, was zu einem Abhängigkeitsgefühl führe, das Erinnerungen an die eigene Kindheit wecke. Wer im Krankenhaus liegt –  zumindest in dem von Martenstein beschriebenen – wird unmündig. „Die gesellschaftlichen Debatten sind für dich irrelevant. Ich wähle nicht Merkel, ich wähle nicht Steinbrück, ich wähle den regelmäßigen Stuhlgang“, so Martenstein.

Deshalb. Patienten werden mit zunehmender Transparenz ganz langsam souveräner. Krankenhäuser. die so weitermachen wie von Harald Martenstein erlebt, werden künftig deshalb das Nachsehen haben. Endlich!

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