Anregungen zum Thema COVID und die Zeit danach

  1. Digitale Unterstützung anstelle von OP-Begleitung

Seit Beginn des vergangenen Monats hat sich die Situation für einen Großteil der Außendienstmannschaften radikal verändert. Besuche in den Krankenhäusern sind nicht mehr erlaubt, elektive Eingriffe wurden weitestgehend abgesagt. Die Kliniken bereiten sich auf die große Welle der Patienten vor, die an COVID-19 erkrankt sind und künstlich beatmet werden müssen. Zeitgleich gibt es aber auch Prozeduren, welche nicht aufgeschoben werden können. So z.B. im Bereich der Traumatologie/Unfallchirurgie oder Kardiologie. Hier stehen mittlerweile viele Kliniken vor der Herausforderung, dass sie sich in der Vergangenheit in signifikantem Maße auf die Unterstützung des Firmen-Außendienstes verlassen haben und so zum Teil auch eigene Mitarbeiter einsparen konnten. Dies führt dazu, dass in ohnehin schon schwierigen und komplexen Operationen nun eine zusätzliche Herausforderung hinzukommt, wenn Spezialisten fehlen und man ggf. mit ungelernten oder in der Fachdisziplin wenig erfahrenen Fachkräften zusammenarbeiten muss. Digitale Lösungen können in dieser Situation Abhilfe schaffen.

So kann z.B. ein per Skype zugeschalteter Medizinproduktberater der Prozedur beiwohnen, ohne dass er/sie im Operationssaal selbst anwesend sein muss. Auch digitale Checklisten (wie der SPM) können dem Team helfen, besser durch die Prozedur geleitet zu werden, indem jeder Schritt visuell angezeigt und bestätigt werden muss. Die Nutzung solcher digitalen Hilfsmittel wurde in der Vergangenheit, gerade im Gesundheitssystem, doch sehr mit Skepsis gesehen und oftmals mit Sorgen um den Datenschutz oder „komplexe IT Integration“ abgewiegelt.


Autor: Michael Erdtmann,Geschäftsführer
Surgical Process Institute (SPIDeutschland GmbH

Die heute „erzwungene“ Nutzung dieser digitalen Hilfsmittel könnte über die nächste Zeit nicht nur zur Gewohnheit für viele OP-Teams werden, sondern auch die vielen Vorteile dieser Art der Zusammenarbeit herausstellen, die sie im Anschluss an diese Pandemie gar nicht mehr missen wollen. Bisher bestehende Vorurteile was digital unterstützt „nicht machbar ist“, wurden durch die jetzige Realität entkräftet – und in großem Maße sogar positiv akzeptiert.

Diese Vorteile liegen dabei für mich auf der Hand: – Schnelle und unkomplizierte Unterstützung (keine Reisen/keine Wartezeiten) – Höherer Hygienestandard (weniger Personen im Operationssaal) – Flexible Anpassung auf Veränderungen (neue OP-Technik, neuer Standard)

2. Sicherheit in unsicheren Zeiten

Der Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitssystem ist heute schon eine der größten Herausforderungen für Kliniken. In der aktuellen Pandemie wird dieser jedoch noch verschärft durch einen erhöhten Krankenstand. Dies führt dazu, dass Ärzte und Pflegekräfte noch flexibler eingesetzt werden (müssen) als ohnehin schon und so selbst erfahrene Mitarbeiter sich immer häufiger in Situationen wiederfinden, in denen ihnen konkrete Handlungsanweisungen fehlen, da niemand anwesend ist, der ihnen diese geben kann. Auch hier sehe ich die Digitalisierung als große Chance an, diesen Problemen zu begegnen: Digital vorliegende Informationen sind unabhängig von Ort und Zeit verfügbar – die exakt benötigte Information in der jeweiligen Situation.

Darüber hinaus kann das Klinikum sicherstellen, dass die Vorgaben exakt nach den eigenen Richtlinien erstellt werden und jeder einzelnen auch nur nach diesen Vorgaben arbeitet. Ein Beispiel: zwar wurden in den vergangenen Wochen zahlreiche Schulung im Umgang mit Beatmungsgeräten durchgeführt. Die relevante Frage ist jedoch: Wird das vermittelte Wissen auch in jeder Situation praktisch korrekt umgesetzt? Hier können digitale Lösungen Unterstützung bieten, die in der jeweiligen Situation klar aufzeigen, welche Schritte zu unternehmen sind und vor allem wie in einer Situation zu verfahren ist, in der es nicht standardmäßig abläuft oder es zu Ausfällen kommt. Der Vorteil dieser Lösungen liegt klar auf der Hand: sie sind zu jeder Zeit verfügbar, können problemlos aktualisiert werden und sorgen für ein ruhigeres und harmonischeres Zusammenarbeiten auch in Notsituationen. Der Umgang mit diesen digitalen Lösungen ist noch alles andere als Alltag in den Kliniken.

Häufig werden noch Gebrauchsanweisungen, Arbeitsanweisungen und -abläufe in gedruckter Form in Schränken aufbewahrt. In der aktuellen Situation ist zum Studium dieser Anleitungen gewiss keine Zeit mehr. Daher ist auch hier eine schnelle Umstellung auf moderne Techniken zwingend erforderlich. Vor dem Hintergrund immer komplexer werdender Medizinprodukte, die in immer größerer Anzahl auf den Markt kommen, sehe ich hier einen echten Fortschritt für die Zeit nach der Pandemie, wie schnell und effizient durch die Lernkurve geführt werden kann.

3. Transparenz & Fehlerkultur

Für die Herausforderungen der Corona-Pandemie gibt es derzeit noch keine großen Erfahrungswerte auf die zurückgegriffen werden kann. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Entscheidungen auf Basis unzureichender Informationen getroffen werden und diese auch immer wieder auf Ihre Wirksamkeit hin überprüft werden und gegebenenfalls angepasst werden müssen. Langfristige Überlegungen und ausgiebige Testungen sind in der momentanen Situation, in der es auf Schnelligkeit ankommt, nicht zielführend. Daher kann es durchaus passieren, dass sich ursprüngliche Entscheidungen als fehlerhaft erweisen und revidiert werden müssen. Das Eingestehen von Fehlern sowie das daraus Lernen sind unabdingbar, um den Herausforderungen Herr zu werden. Diese Fehlerkultur, heute schon fester Bestandteil in vielen Unternehmen der neuen Technologien, ist in der Gesundheitsversorgung noch immer selten zu finden. Fehler werden nach wie vor bagatellisiert und selten zum Gegenstand von Diskussion und Nachbesprechungen gemacht. Es wäre sehr wünschenswert, dass nach Bewältigung der Pandemie, die fortschrittliche Denkweise „aus Fehlern lernen“ nachhaltiger in die deutschen Krankenhäuser Einzug findet. Transparenz darf nicht mehr als Nachteil – ja oftmals sogar als Bedrohung der eigenen Profession angesehen werden, um den Schritt in eine nachhaltig positive Fehlerkultur zu machen.

Auch hier kann die Digitalisierung helfen, schneller und effizienter aus Fehlern zu lernen. Heute werden Erfahrungen meist innerhalb der Klinik oder auf Kongressen und Veranstaltungen geteilt. Letzteres ist in der aktuellen Situation kaum noch möglich und wird voraussichtlich bis auf Weiteres auch nicht möglich sein. Moderne, vernetzte Plattformen ermöglichen es, Erfahrungen über die eigene Klinik hinaus, in bisher nicht da gewesener Größe zu teilen und dies an jedem Wochentag, zu jeder Stunde. Jeder Anwender hat so die Möglichkeit seine eigene Prozedur gegen die der weltweit operierenden Ärzte zu vergleichen und Optimierungsmöglichkeiten identifizieren, ohne dass er die eigene Klinik verlassen muss. Der Informationsaustausch wird dadurch auf eine vollständig neue Ebene gehoben.

Ansprechpartner: Caius Unterberg, Vertriebsleiter / Sales Lead Cluster DACH von SPI / Surgical Process Institute Deutschland GmbH
E-Mail: cunterbe@its.jnj.comm

Hier finden Sie weitere Beiträge der LOHMANN konzept Innovationsplattform.

1 comment » Write a comment

  1. Pingback: LOHMANN konzept Innovationsplattform - lohmannbloglohmannblog

Schreiben Sie einen Kommentar

Required fields are marked *.