Gönnen wir Ärzten Ihren Schlaf

Oder besser doch nicht?! In den USA wurde die Wochenarbeitszeit von Assistenzärzten verpflichtend gesenkt. Offenbar hatte man sich zuvor wenig Gedanken um die Auswirkungen gemacht. Zu offensichtlich (evident) erschien die Einsicht, wer mehr Zeit für sich selbst, Freizeit und Familie hat, arbeitet entspannter und bekommt mehr Schlaf, was sich am Ende positiv auf die Betreuung der Patienten auswirken werde. Pustekuchen. Eine Studie unter 2.323 Assistenzärzten an 14 universitären und kommunalen Lehrkrankenhäusern im Zeitraum zwischen 2009 und 2012 kam zu erstaunlichen Ergebnissen.
  • Die Reform selbst senkte die Arbeitsstunden pro Woche tatsächlich von 67 Stunden auf 64,3.
  • Deshalb schliefen die Ärzte im Schnitt allerdings nicht signifikant mehr. Nur 0,2 Stunden mehr Schlaf kamen dabei heraus. Umgerechnet also 12 Minuten länger Dösen.
  • Weder depressive Symptome gingen zurück, noch stieg das Wohlbefinden unter Assistenzärzten bemerkenswert.
  • Durch die Senkung der Wochenarbeitsstunden wurden leider auch keine neuen Assistenzarztstellen geschaffen. Das hatte eine Verdichtung der Arbeit zur Folge.
Diese Verdichtung der Arbeit in Kombination von mehr Zeit außerhalb des Krankenhauses führte offenbar dazu, dass die Assistenzärzte Muße genug haben, über eventuelle Fehler Ihres Handelns nachzudenken. Denn deutlich mehr (4%) Assistenzärzte machten sich real Sorgen, einen ernsthaften, medizinischen Fehler zu begehen. Daraus zu schlussfolgern, es benötige einen ärztlichen Taylorismus, um den Ärzten möglichst wenig Zeit zu geben, über die Folgen Ihre Tuns nachdenken zu können, wäre sicher falsch. Das Ergebnis der Studie zeigt aber auch, dass das Drehen an nur einer Stellschraube, um Produktivitätspotenziale im Krankenhaus zu heben, nicht ausreicht, wenn an andere Stelle nicht weiter gedacht wird. Außerdem sollten sich die Verantwortlichen stärker mit den Folgen augenscheinlicher Positiveffekte auseinandersetzen. Und zwar bevor diese in die Prozesskette eines Krankenhauses eingeflochten werden. Das Spannungsfeld zwischen Ökonomie und und Medizin ist auch Thema beim 9. GESUNDHEITSWIRTSCHAFTSKONGRESS Ende September 2013 in Hamburg Konfrontation oder Kooperation: Ärzte versus Ökonomie ist ein Thema am ersten Kongresstag. Auch das aktuelle Voting beschäftigt sich mit dieser Frage.

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